„Ein Ho – Chi – Min Pfad „ in Moosach?

(Aus der Reihe: Wege in und um Moosach)

Sicherlich nicht vergleichbar mit dem namensgebenden Pfad in Süd/Ost Asien.

Denn dieser ist 16.000 km lang und verbindet dort mehrere Länder. Lt. Lexikon: „ Ein logistisches Netz aus Straßen und Verkehrs Systemen. . . „

Landläufig ist der Name negativ besetzt durch den Vietnamkrieg, hat aber letztlich eine weit darüber hinausreichende Bedeutung und Historie.

Er ist eine Lebensader, von Menschen begangen, befahren, die regen Handel betreiben um leben zu können.

Wie kommt der Namensgeber hier in Moosach aber auf diese Analogie, war er doch nie dort und der hier gemeinte Pfad ist tatsächlich nur ca. 2 Meter lang, aber dafür geheimnisvoll , nicht offiziell,  nur wenigen bekannt, unwegsam und  nicht gefährlich. (Tetanusimpfung empfohlen)

Für mich war diese Erstbegehung natürlich spannend und mein „Führer“ hat vielleicht diesen spannenden Moment der Grenzüberschreitung - denn nichts ist verbotener als einfach so in Nachbars Grundstück hineinzugehen -  mit dieser Wegebezeichnung  - gesteigert. Sein lausbubenhaftes Lächeln erinnerte mich auch an vergangene Jugendstreiche.

Früher gab es hier einen sog. kleinen Grenzverkehr. Die Nachbarn haben ihre Kinder hin und her gehen lassen damit sie nicht auf die Straße müssen. (Kinder verbinden oftmals die Menschen)

Nun ist aber alles unbewohnt .

Unser Vorhaben war klar definiert:

Wir wollten sehen, was der heiße, trockene Sommer in diesem aufgelassenen Garten an Pflanzen übriggelassen hatte. Was hat sich in zwei Jahren verändert, wenn niemand mehr wässert, Laub fegt, Rasen mäht und wilden Aufwuchs einkürzt oder beseitigt oder mineralischen Dünger streut? Wir waren auf der Suche nach Ursprünglichkeit.

Nach dem sinnreichen Leitspruch:“ Wege entstehen, indem wir sie gehen“,

mussten wir uns für eine eigene Spur entscheiden und bahnten uns mit hohen Schritten durch das unwegsam gewordene Gartenland. Man weiß ja nie, ob nicht doch irgend ein Getier diesen frei gewordenen Lebensraum angenommen hat und nun sein Revier verteidigen muss ? Üppigstes Wachstum fanden wir vor. Es duftet nach Waldboden, Pilze wuchsen; aus den Fugen der Plattenbeläge spross einiges Kraut. Biologisch gesehen, haben sicherlich viele sog. Helferlein in der Mikrofauna-und Flora ihre Aufgabe wiedergefunden und zersetzen die abgestorbenen Pflanzenteile , sprich : Laub, Gräser, Zweige. Neuer guter Humus entsteht durch diese biologische Umsetzung.

In Analogie zum 16.000 km Pfad in Süd/Ostasien belegen diese Mikroorganismen eine weitaus größere Strecke mit milliardenfacher Anzahl von Lebewesen. (1 Gramm fruchtbare Erde zählt 10 Milliarden Lebewesen.)

Sie erfüllen Ihre Aufgabe ! instinktiv – fleißig, aber sie sind leider auch dem Werden und Vergehen in einer immer dichter besiedelten Stadt ausgesetzt.

Unsere Gärten können kleine Regenerationszellen für diese Lebewelt sein,

wenn wir sie extensiv pflegen unter Beachtung der biologischen Prozesse!


Fortsetzung folgt.

Verfasser: Christian Reinhardt
Dipl.Ing.  Landschaftsökologie